Wie wird man Benediktiner von Mariastein?

Kennenlernen

Wer heute in ein Kloster oder eine Ordensgemeinschaft eintreten will, hat oft einen längeren Weg zurückzulegen als Menschen früherer Generationen, die ganz selbstverständlich im familiären und kirchlichen Umfeld religiöse Praxis und Erfahrung sammeln konnten. Das ist heute längst nicht mehr verständlich. Und dennoch liegt in manchem jungen Menschen die Sehnsucht nach einem religiösen Leben in Gemeinschaft mit andern. So ziehen denn Klöster als nach aussen hin sichtbare  spirituelle Orte auch heutige junge Menschen an, die das Leben der Mönche kennen lernen wollen. Oft kommen diese jungen Männer mit sehr vagen, ungenauen Vorstellungen auf Besuch. Aber das macht gar nichts. Man braucht nicht alles  über Glaube, Kirche und Orden zu wissen, bevor man es wagt, an einer Klosterpforte anzuklopfen. Wir  freuen uns, wenn junge Menschen auf Besuch kommen, um mit uns das Leben zu teilen und so den christlichen Glauben besser kennen zu lernen.

Wir bieten jungen Menschen auf unkomplizierte Weise Möglichkeiten an, über Fragen des Glaubens nachzudenken, sei es in den „Angeboten des Klosters“ oder  mit „Schnuppertagen“ im Kloster. In Absprache mit dem Gästepater oder Novizenmeister gibt es das Angebot am Gemeinschaftsleben (Gebete, Mahlzeiten, Arbeiten) teilzunehmen. Der Novizenmeister oder ein anderer geeigneter Mitbruder  begleitet die Interessierten durch diese Tage und steht auch für persönliche Gespräche zur Verfügung. Weniger bewährt haben sich solche „Schnuppertage“ an bestimmten Wochenenden für Gruppen. Der Empfang von individuell Interessierten und ein speziell auf sie zugeschnittenes Angebot entsprechen mehr den Bedürfnissen als organisierte Info-Veranstaltungen.

Wer ernsthaft die Frage nach einem möglichen Eintritt prüfen möchte, wird in einem nächsten Schritt eingeladen, für einen längeren Zeitabschnitt mit der Gemeinschaft zu leben oder in regelmässigen Abständen einige Tage (z.B. Wochenende, Ferien) im Kloster zu verbringen. So lernt man sich gegenseitig besser kennen. Durch Gespräche im Sinne einer geistlichen Begleitung wird die Frage der Berufung weiter geklärt. Wenn nötig, dienen diese Aufenthalte auch dazu, die Heilige Schrift oder die Liturgie oder das sakramentale Leben zu vertiefen.


Voraussetzungen

Bei all den unterschiedlichen Voraussetzungen gibt es dennoch ein klares Anforderungsprofil an einen Kandidaten, der den benediktinischen Weg wählen will. Auch in der Regel spricht Benedikt darüber im 58. Kapitel:

Man achte genau darauf, ob der Novize wirklich Gott sucht, ob er Eifer hat für den Gottesdienst, ob er bereit ist zu gehorchen und ob er fähig ist, Widerwärtiges zu ertragen.  Offen rede man mit ihm über alles Harte und Schwere auf dem Weg zu Gott.  

Wer also Benediktiner werden will, muss ein suchender Mensch sein, kein superfrommer, der schon alles meint zu wissen. Benedikt stellt sich also fürs Klosterleben jene Menschen als geeignet vor, die bereit sind, in allen Situationen und in jedem Menschen etwas von der Spur und Gegenwart Gottes zu entdecken. Dazu kommt eine gesunde Portion Realitätssinn, denn auch im Kloster gibt es wie sonst im Leben einiges an Widerwärtigkeiten zu ertragen. Es läuft nicht immer alles nach Wunsch und auch die Mitbrüder haben Ecken und Kanten. Im gegenseitigen Gehorsam lernt man die eigenen Interessen zurückzustellen und das gemeinsame Ziel  vor die persönlichen Wunschträume  zu stellen. Dieses gemeinsame Bestreben ist die Verherrlichung Gottes und den Dienst an den Mitmenschen, und um dies zu verwirklichen ist eine hohe Bereitschaft zur Kooperation erforderlich.

Neben diesen geistlichen Voraussetzungen gibt es auch einige eher äußerliche, aber dennoch nicht unwichtige Kriterien, auf die heute besonders zu achten ist.

Wer in eine Ordensgemeinschaft eintreten will, muss katholisch und in der Regel ledig sein. Es wird eine abgeschlossene Berufslehre oder ein höherer Schulabschluss erwartet, ein paar Jahre Berufserfahrung können auch nichts schaden. Von ganz grosser Bedeutung sind körperliche und psychische  Gesundheit und Stabilität sowie Gemeinschaftsfähigkeit. Das Noviziat ist keine therapeutische Gemeinschaft für Leute, die beruflich, gesundheitlich oder beziehungsmässig gescheitert sind. Natürlich bringt jeder seine Geschichte mit, in der es durchaus Verletzungen und Brüche gibt, aber die sollten erkannt und ein Stück weit auch schon verarbeitet sein und können nicht erst nach Beginn der Kandidatur angegangen werden und dürfen nicht -  was ganz fatal wäre - verdrängt werden, in der Hoffnung mit dem Leben im Kloster ergebe sich dann alles. 

Der Berufung zum Ordensleben geht immer die Berufung als Getaufte zu leben voraus. Darum wird von einem zukünftigen Mönch eine gewisse kirchliche Praxis, z.B. Besuch des Sonntagsgottesdienstes, Engagement in der Heimatpfarrei oder in einer kirchlichen Gruppierung erwartet. Es kann  im klösterlichen Leben nicht gut gehen, wenn man von „Null auf Hundert“ aufdreht, zumal der benediktinische Weg ja immer auch ein Weg des gesunden Masses ist (die Tugend der discretio).

Mönche Gebet

Kandidatur

Die Kandidatur (oder in andern Klöstern oder manchen Orden „ Postulat“ genannt) erfolgt nach dem gegenseitigen Kennenlernen durch verschiedene Aufenthalte und Besuche im Kloster und einer gründlichen Abklärung der Gründe und Motivationen für einen Klostereintritt. Dafür zuständig ist in erster Linie der Novizenmeister, aber auch mit dem Abt werden verschiedene Gespräche geführt. Nach einem Aufnahmegespräch im Konsilium (Beratungsgremium des Abtes) entscheiden die Verantwortlichen über die Aufnahme in die Kandidatur.

Damit beginnt für ein ganzes Jahr das konkrete Leben in der Gemeinschaft, damit man noch besser vertraut wird mit den Aufgaben, den Besonderheiten und der Spiritualität der konkreten Klostergemeinschaft. In unserm Kloster trägt der Kandidat immer noch seine zivile Kleidung. Neben den gemeinsamen Gebetszeiten und zugeteilten Arbeiten gibt es auch Unterricht oder verschiedene Dienste. Es geht darum, auch mit den verschiedenen Aufgaben- und Arbeitsfeldern des Klosters vertraut zu werden. Manchmal kann man einen Kandidaten gerade auch dort einsetzen, wo er sich berufliche Kompetenzen erworben hat. Das ist aber nicht der Hauptsinn der Kandidatur. Es soll vor allen die Frage weiter geklärt werden: Will und kann ich die Lebensart der Klostergemeinschaft von Mariastein für mich übernehmen? Bin ich bereit, mich auf den geistlichen Weg der Gottsuche einzulassen? Kann ich mich auch mit der Normalität des Alltags im Kloster anfreunden. Auch hier sind Ideal und Realität nicht immer deckungsgleich. Die Ideale sind hoch und von vielen begabten geistlichen Autoren wunderbar beschrieben worden. Die Klöster stehen im Allgemeinen in einem guten Ansehen, viel wird von ihnen erwartet und nicht wenige erhoffen sich in ihnen eine Art verlorenes Paradies zu finden, ein geistliches Biotop in der ausgetrockneten Landschaft der Kirche. Und allzu leicht vergisst man, dass hier bloss Menschen wie du und ich leben, mit ihren Unzulänglichkeiten, Schwächen und Grenzen, wie anderswo auch. Das Jahr der Kandidatur soll der geistlichen Auseinandersetzung mit der Realität und dem Alltag dienen, ohne dass man die Ideale aufgibt. Sie sollen in unserm klösterlichen Leben präsent bleiben wie Leuchtsterne, denen wir folgen. Sehen wir sie einmal nicht mehr, irren wir ohne Orientierung im Dunkeln umher. 

Am Ende der Kandidatur macht der Kandidat fünf Tage Exerzitien und entscheidet, ob er den Schritt ins Noviziat wagen will und beantragt in Form einer kurzen schriftlichen Bitte unter Angabe seiner Gründe und Motivationen an Abt und Kapitel seine Aufnahme ins Noviziat. In der Kapitelsversammlung (alle Mönche mit ewiger Profess) findet dann eine Abstimmung statt, ob der Kandidat zum Noviziat zugelassen wird.


Noviziat

Das Ziel des kanonischen Noviziats ( = eine nach den Vorgaben des Kirchenrechts gestaltete Ordensausbildung) ist die vertiefte Klärung der Berufung zum Ordensleben. Das Noviziat beginnt bei uns mit der Einkleidung, die normalerweise während des Morgengebetes (Laudes) im Mönchschor stattfindet. Der Kandidat tritt vor den Abt hin und erklärt seine Bereitschaft, sich dem Noviziat zu stellen und erhält darauf die schwarze Kutte und das Skapulier als Zeichen der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft. Der Abt hält eine kurze Ansprache an den Novizen und die Mitbrüder, denn mit dem Noviziat beginnt der gemeinsame Weg des näheren Zusammenlebens und gemeinsamen Betens und Arbeitens. Auch wenn der Novizenmeister eine herausragende Stellung hat in der Verantwortung für die Novizen, so sind doch alle Mitbrüder in die Pflicht genommen, dem Novizen mit Rat und Tat beizustehen und ihm vor allem mit dem guten Beispiel seinen Weg in der Gemeinschaft finden zu helfen und ihn in seiner Berufung zu unterstützen. 

Aber nicht nur Arbeit und Gebet bestimmen das Noviziat. Es soll auch genügend Zeit für die Lesung (vor allem Heilige Schrift, sowie spirituelle Literatur aus Vergangenheit und Gegenwart)  eingeräumt werden. Das ist für alle Beteiligten stets eine grosse Herausforderung, weil es in der doch älter und kleiner werdenden Gemeinschaft an mannigfachen Arbeiten nicht fehlt und da sind junge, begabte und fleissige Leute stets willkommen, vor allem wenn sie vielseitig einsetzbar sind. So heisst es immer wieder aufpassen, dass die Kandidaten und Novizen nicht einfach die Lückenbüsser und Springer im Kloster sind, sondern auch Zeit für sich, die Stille und die Lesung haben. 

Das Noviziat ist auch die Zeit der monastischen Ausbildung. In Mariastein haben wir einen Unterrichtstag pro Woche. Da sind mehrere Mitbrüder engagiert für die verschiedensten Themen wie: Heilige Schrift, Psalmen, Liturgie, Benediktsregel in Geschichte und Gegenwart, Leben und Charisma des heiligen Benedikt, Ordens- und Hausgeschichte, Spiritualität, Väterlesung, Bedeutung der Gelübde, rechtliche Satzungen der Schweizer Benediktinerkongregation, Entscheidungsfindung aus dem Glauben. Wie in allen monastischen Orden findet das Noviziat im Kloster selber statt und nicht wie zum Teil in andern Orden in einem zentralen Haus einer Kongregation oder Provinz. Als Benediktinernovize tritt man in eine konkrete Gemeinschaft ein, die soll man gründlich kennen lernen und sie übernimmt auch die Verantwortung für die Ausbildung.  Als Ergänzung dazu findet jedes Jahr in einem unserer Klöster oder Bildungshaus die so genannte „Junioratswoche“ statt. Das ist eine Werkwoche für alle Mönche und Nonnen in Ausbildung der schweizerischen Benediktiner- und Benediktinerinnenklöster. Neben einem Tagungsthema, das gemeinsam in Vorträgen, Gruppenarbeiten und Diskussionen vertieft wird, dient die Woche aber auch der Kontaktpflege der neuen Klostermitglieder. Natürlich fehlt nicht eine Wanderung oder ein Ausflug in dieser Woche. Die Schwestern und Brüder, die sie meistens allein oder zu zweit als Novizen (Novizinnen)  in den Konventen sind, sollen spüren, dass andere auch auf dem gleichen Weg sind. Das ist immer eine lehrreiche, fröhliche und aufgestellte Woche, die unsere „Neulinge“ (Junge kann man ja nicht in jedem Fall sagen, da das Alter im Noviziat 20 -50 Jährige umfasst) sehr schätzen. Und für uns als Verantwortliche im Noviziat ist das eine Woche, die wir nicht mehr missen möchten, weil sich die jüngere Generation der Novizenmeister lange mit Herzblut für dieses ergänzende Ausbildungsmodul im Noviziat eingesetzt hat.

Mit dem Abt und dem Novizenmeister finden von Zeit zu Zeit auch persönliche Standortgespräche statt, ergänzt werden diese durch Gespräche mit dem Beichtvater oder dem geistlichen Begleiter. Ein weiteres Element im Juniorat unseres Klosters  ist seit jüngster Zeit eine Supervision, die bei einer externen Fachkraft und Vertrauensperson des Klosters erfolgt. Hier sollen unter Anleitung eines psychotherapeutisch ausgebildeten Leiters Themen zur Sprache kommen, die dem besseren Kennen lernen von sich selber und der Persönlichkeitsentwicklung dienen. 

Das Noviziat dauert ein Jahr und kann im Bedarfsfall verlängert werden.

Nach Ablauf des Jahres erklärt sich der Novize für die zeitliche Profess bereit. Wiederum stimmt das Kapitel darüber ab, ob ein Novize zur Profess zugelassen wird. 

Mönche

Zeitliche Profess

Nach Abschluss des Noviziates erfolgen also die ersten Gelübde. Sie sind auf drei Jahre beschränkt und werden öffentlich innerhalb einer Eucharistiefeier mit allen Mönchen abgelegt. Der Novize verspricht die drei benediktinischen Gelübde von Beständigkeit, Gehorsam und klösterlichem Lebenswandel. Damit beginnt eine mehrjährige Vertiefungsphase. Begabungen und persönliche Entfaltung werden gefördert. Es kann auch eine Spezialausbildung für spätere Aufgaben im Kloster (berufliche Weiterbildung  Kurse, Praktika, eventuell Studium) erfolgen. Fähigkeiten und Neigungen der einzelnen wie auch die Bedürfnisse unserer Gemeinschaft spielen bei der Wahl eine Rolle. Vermehrt als früher schauen wir heute darauf, dass die Einfachen Professen während dieser Zeit in der Klostergemeinschaft leben und nicht permanent auswärts leben. Und soll  das vorrangige Ziel dieser Eingliederungsphase nie vergessen werden: Vertiefung und Festigung der Berufung zum Leben nach der Regel des heiligen Benedikt sind wichtig für die Entscheidung, sich der Gemeinschaft definitiv anzuschliessen. 


Mönch werden

Feierliche Profess

Nach eingehender Prüfung wird jemand zur ewigen, d.h. auf Lebenszeit bindenden Profess zugelassen. Diese erfolgt in einer feierlichen, öffentlichen Liturgie zu der auch alle möglichen Gäste aus dem Familien- und Freundeskreis des Neuprofessen eingeladen werden. Damit ist der Ausbildungsweg abgeschlossen und der Bruder wird durch dieses Gelübde als Vollmitglied mit allen Rechten und Pflichten  in die Klostergemeinschaft aufgenommen. Als äusseres Zeichen erhält er die Kukulle. Das ist das weite schwarze Gewand, das man zu feierlichen Gottesdiensten und Anlässen anzieht. Mit diesem Gewand wird deutlich, dass der Mönch wie der Täufling Christus als Gewand angezogen hat, gemäss dem Pauluswort im Galaterbrief: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt“ (Gal 3,26).

Damit kommt zum Ausdruck, dass der Weg des Mönches nichts Heroisches oder gar Abgehobenes ist, sondern eine der vielen Möglichkeiten, wie sich Taufgnade entfalten kann.

P. Ludwig Ziegerer, Benediktiner Abtei Mariastein